Demokratie und Parlament?
Brauchen wir nicht!
Erst verschiebt der Präsident des europäischen Parlaments, Martin Schulz, gestern die Abstimmung über das TTIP-Abkommen mit dem Hinweis auf die Fülle der Änderungsanträge, dann hat nach einer tumultartigen Diskussion das EU-Parlament auch die für
heute vorgesehene Debatte über das stark umstrittene transatlantische
Freihandelsabkommen (TTIP) mit den USA verschoben.
Beides begrüßte prompt der Bundesverband der Industrie, warum wohl?
Das
Europa-Parlament hat heute die geplante Debatte über das sogeannte "Freihandels"-abkommen TTIP mit den USA verschoben. Die Entscheidung fiel denkbar knapp aus: Mit einer Mehrheit von 183 gegen 181 Stimmen
votierten die Abgeordneten am Morgen für den Antrag von
Christdemokraten, Konservativen und Liberalen. Ihr Argument: Die Debatte
sollte nicht von der Abstimmung getrennt geführt werden. 37 Abgeordnete
enthielten sich der Stimme. "Inoffiziell heißt es vor allem von Seiten der Kritiker, dass die großen
demokratischen Fraktionen - die Sozialdemokraten, die Christdemokraten -
in so einer Debatte nicht zeigen wollten, wie zerstritten sie innerhalb
ihrer eigenen Parteien noch sind.",
berichtet die ARD-Brüssel-Korrespondentin Bettina Scharkus.
Im
Sitzungssaal des EU-Parlaments kam es zu tumultartigen Szenen. Linke und konservative Europa-Abgeordnete warfen sich darauhin gegenseitig fehlendes Demokratieverständnis
vor. Ein neuer Termin für Debatte und Abstimmung wurde zunächst nicht
vereinbart.
"Mir macht es Angst, wenn ich sehe, wie die Links-
und die Rechtsradikalen hier im Haus sich gegenseitig in Rage reden und
die Grünen an der Seite dieser Leute stehen",
sagte der
Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber (CSU).
Darauf entgegnete die Fraktionsvorsitzende der
Grünen, Rebecca
Harms: "Wenn jetzt jeder, der kritisch ist gegen private
Schiedsgerichte, an den Pranger gestellt wird als links und
rechtsradikal, dann frage ich mich, was wir für eine Basis der
Zusammenarbeit haben."
"Wir wollen keine privaten Schiedsgerichte", sagte
der Berichterstatter und Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd
Lange
(SPD) auf einer Pressekonferenz. Die EVP (Christdemokraten) habe dieser
Position nicht zustimmen wollen. "Offensichtlich will sie sich eine
Hintertür offenhalten".
Die
Kritiker des TTIP-Abkommens befürchten, dass bei privaten Schiedsstellen europäische
Investoren in den USA gegenüber US-Unternehmern benachteiligt würden und
US-Konzerne sich gegen europäische Staaten durchsetzen könnten.
Die
Gegner des TTIP-Abkommens im EU-Parlament werfen Schulz dagegen ein
Einknicken vor den Wirtschaftslobbyisten vor. Der Grünen-Politiker
Reinhard
Bütikofer sprach gegenüber "Spiegel Online" von "politischer
Manipulation". Der französische Grünen-Abgeordnete Yannick
Jadot sagte:
"Sie sind in Panik, dass eine Abstimmung die tiefen Risse zeigen würde."
Der
ARD-Korrespondent Martin Bohne sprach von
einem Trick mit der Geschäftsordnung. Es gebe im EU-Parlament oft sehr
viele Änderungsanträge, ohne dass Abstimmungen und Debatten verschoben
würden, so Bohne. Das Parlament sei in Sachen TTIP heillos zerstritten.
Dementsprechend habe Schulz wohl befürchtet, dass es keine Mehrheit für
die Resolution geben würde.
Wie groß muss eigentlich die Angst und Panik sein bei den uns Regierenden, dass sie jetzt Geschäftsordnungstricks, oder Manipulationen derselben, einsetzen müssen, damit sie endlich ihr heißbegehrtes "Frei-" Handelsabkommen durchsetzen können? Dass die Industrie jubiliert, die jahrzehntelang ohne ein solches Abkommen sehr gut leben konnte, liegt auf der Hand. Wozu denn abstimmen und gar noch debattieren vorher? Das hält doch nur auf!
Die Gier muss ja grenzenlos sein, die diese Feudal-Herrscher umtreibt. Kommt "privat" nicht vom lateinischen Verb "privare" = (be-) rauben? War's nicht so?
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