Freitag, 8. Mai 2015



Ach, Herr Professor!

Sie werden in der hochwohlmögenden „Die Zeit“ als Cybersicherheitsexperte bezeichnet und erklären uns Lesern und Bürgern die Welt, wie wir sie zu sehen haben. Schauen wir uns doch mal ihre Experten-Aussagen etwas näher an!


Hier einige ihrer Aussagen kurz zusammengefasst:

- Die Amis sind uns technisch überlegen. Soso, oder wie man auf der anderen Seite des Teiches sagt: „So what!“; und deswegen haben wir in Schockstarre zu verharren -shock and awe nennen das unsere Freunde- und alles zu erdulden und aktiv mitzumachen, was verlangt wird? Meinen Sie das so? Also wir kleinen Würstchen der kümmerlichen Weltgeschichte haben nichts zu melden? Aha, gut, haben wir verstanden. Wie einfach.

- Alle machen das so mit dem Überwachen, genauer gesagt Ausspionieren, also ist es gut so. So simplifizierend kann auch nur ein Professor reden. Die ausgebildeten Leute von ihrer „Hochschule“ sind bestimmt begehrte Kandidaten bei der Jobvergabe in der Industrie und öffentlichen Verwaltung, und bestimmt auch bei den „Diensten“. Einfach so.

- Und dann sind da noch wir bösen Deutschen und Europäer, die da einfach so Sachen exportieren, was sich doch mal überhaupt nicht gehört: Waffen und so ein Gedöns, und Verträge über Gaslieferungen und und und. Das dürfen WIR ja mal gar nicht! Das ist bei Strafe aus dem Oval Office verboten. Wir müssen erst den großen Bruder fragen, ob er das Geschäft nicht lieber selber machen möchte. Und wenn wir uns nicht daran halten, dann dürfen wir uns nicht beschweren, wenn wir ausspioniert werden. So einfach ist das.

- Wie wir von Ihnen lernen, sind in den abgeschöpften Daten die Geschäftsdaten großer deutscher Konzerne enthalten. Das ist also die Aufgabe der Geheimdienste? Das ist ja noch einfacher.

- Hier mal ein wörtliches Zitat: „In der aktuellen Diskussion wird oft die Massenüberwachung mit Spionage verwechselt. Diese Selektoren – da geht es eben nicht um beliebige Massenabschöpfung von Daten, sondern um konkrete Sicherheitsthemen, die sehr gezielt und strategisch aufgeklärt werden.“ Was lernen wir daraus: Massenüberwachung und Spionage sind natürlich verschiedene Dinge, und vor allem das Letztere völlig harmlos, weil gerechtfertigt, denn da geht es um konkrete Sicherheitsthemen, oder anders gesagt, den Deutschen und Europäern kann man aus US-Sicht nicht trauen -die werden ja immer „erwischt“, wie sie „Deals“ einfädeln- und daher muss man alles abschöpfen, was man kriegen kann! Das ist ja einfach.

- Und der vorläufige Höhepunkt in des Professors Ausführungen: Der Westen und vor allem die USA haben eine „Grand Strategy“. Selten so gelacht, wobei das Lachen gerade übel aufstößt, bei den Millionen Toten durch Krieg und Hunger. Ganz einfach

– bisher findet man diese Ausführungen des Herrn Professors unter http://www.zeit.de/politik/2015-05/sandro-gaycken-bnd-nsa-geheimdienst/komplettansicht-- was nun als absoluter Höhepunkt kommt, findet man unter http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bnd-affaere-spionage-unter-freunden-kein-grund-zur-aufregung-13564435.html:

Der Herr Professor behauptet doch allen Ernstes, daß all der Spionagekram dem „Weltfrieden“ diene. Wer so eklatant die Interessenhoheit Amerikas zum „Weltfrieden“ -also eigentlich zum „Pax americana“ erklärt, zeigt überdeutlich, wes Geistes Kind er ist, und wes Brot er isst.


Einfacher geht’s nicht.

Nachtrag:
Der Herr Professor heißt Sandro Gaycken und ist Senior Researcher für Cybersecurity und Cyberstrategy an der European School of Management and Technology in Berlin. Er berät die Nato und deutsche Unternehmen in Spionagefällen. Einfach so.

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