>Keine
GLOSSE<
Bedingungsloses Grundeinkommen für
die Quandts, Druck auf die Personalkosten bei BMW
So stellt sich
Lieschen Müller oder Otto Normalverbraucher ein sorgenfreies Leben
vor: Millioneneinkommen, weil die lieben Vorfahren so schön
vorgesorgt haben. Auch die Quandterben können ein gar nicht
garstiges Lied davon singen: Die BMW AG hat die drei Quandt-Erben
Johanna Quandt, Stefan Quandt und Susanne Klatten mit der schönen
Summe von knapp 731
Millionen Euro Dividendenzahlung erfreut. Auch in den letzten
Jahren warfen die BMW-Anteile der Quandts mehr als 2
Milliarden Euro ab. Dafür hat jetzt die BMW AG Pläne
vorgestellt, die Personalkosten ab 2015 um jährlich 100
Millionen pro Jahr senken zu wollen. Für das Jahr 2014 ist eine noch mal gesteigerte Dividendenzahlung angekündigt.
Die
Familie Quandt und ihre Erben heute leben hauptsächlich von den
Früchten des „Lebenswerks“ des Großvaters Günther Quandt
(1881-1954) und des Vaters Herbert Quandt (1910-1982).
Der
Großvater Quandt stieg als Sohn eines Tuchfabrikanten bereits im 1.
Weltkrieg zu einem führenden Industriellen auf. Bereits zu Beginn
dieses großen Schlachtens, dessen Beginn sich im letzten Jahr zum
hundertsten Male jährte, wurde er zum Leiter der Reichswolle
ernannt. Die Quandtsche Firmengruppe wurde zum Hauptlieferanten des
kaiserlichen Militärs für Textilien und Leder.
Bis
1922 blieb er im Reichwirtschaftministerium, um sich dann in der
Kaliindustrie zu engagieren. Die in der Kriegswirtschaft gewonnenen
Kontakte nutzte er geschickt, wodurch es ihm gelang, die Mehrheit an
Accumulatoren Fabrik Aktiengesellschaft (AFA,
später VARTA AG, mit Sitz in Berlin und Hagen zu erwerben. 1928
konnte er die Berlin-Karlsruher Industriewerke AG -Tarnname der zuvor und dann ab 1936 wieder Deutsche
Waffen- und Munitionsfabrik genannten
Rüstungsproduktionsgesellschaft übernehmen. Dieser Betrieb ist der direkte
Vorläufer der heutigen KUKA AG.
Unter
der NS-Diktatur stieg er 1937 zum „Wehrwirtschaftsführer“ auf.
Quandt profitierte auch wie so viele andere Deutsche in allen
Schichten von den „Arisierungen“ im Dritten Reich und Quandt konnte daher günstig Konkurrenzunternehmen jüdischer Eigentümer„übernehmen“. Während des 2. Weltkrieges profitierte u.a. die VARTA AG und
damit die Familie Quandt vom Einsatz
von Zwangsarbeitern.
Die
Batterien der VARTA AG fanden in U-Booten und Raketen Verwendung, und
selbstverständlich wurden wie schon im ersten Weltkrieg Textilien,
Uniformen und Decken an die Militärs geliefert.
Nach
Kriegsende floh Quandt aus der exklusiven Villenkolonie in
Neu-Babelsberg am Griebnitzsee bei Berlin an den idyllischen Starnberger See in
Bayern, auch heute der bevorzugte Wohnsitz der Reichen und der Schönen, oder derer, die sich dafür halten. Nach der Verhaftung durch die US-Militärbehörden blieb er
für 2 Jahre in Haft. Die Briten leiteten aber belastende Dokumente
über seine Aktivitäten im Dritten Reich nicht weiter, und so wurde
bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen keine Anklage gegen ihn
erhoben. Eine Entnazifizierungsspruchkammer in Starnberg stufte ihn
nur als Mitläufer ein. (siehe
dazu der dt.
Wikipedia-Artikel)
Zu
den Vorgängen in der NS-Zeit und deren Bewältigung in der Zeit nach
1945, ließ sich einmal ein weiterer Quandt-Erbe, Sven Quandt wie
folgt
ein:
„Wir
haben ein Riesenproblem in Deutschland: Dass wir nie vergessen
können. In der Familie … und wir haben über die Themen oft genug
gesprochen … Wir finden es aber schade, denn es hilft Deutschland
unheimlich wenig weiter. Je mehr wir […] da drüber nachdenken und
daran erinnert werden alle, genauso wird man im Ausland daran
erinnert. Und wir müssten endlich mal versuchen, das zu vergessen.
Es gibt in anderen Ländern ganz ähnliche Dinge, die passiert sind,
auf der ganzen Welt. Da redet keiner mehr drüber.“ (siehe dazu
der dt.
Wikipedia-Artikel)
Da
die britischen Militärbehörden der VARTA AG bereits 1946 wieder
eine Betriebsgenehmigung erteilten, konnte er seine Tätigkeit in der
Industrie rasch fortsetzen. (siehe dazu der dt. Wikipedia-Artikel)
Johanna
Quandt, Stefan Quandt und Susanne Klatten halten u.a. 46,7 % an der
BMW AG und gehören zu den größten Parteispendern in der
Bundesrepublik. Seit dem Jahr 2002 spendeten die Quandts etwa 2
Millionen Euro an die Parteien.
Nach
den neuesten
Plänen der BMW AG sollen ab dem Jahr 2015 jährlich
Personalkosten in Höhe von 100 Millionen Euro eingespart werden.
Allein auf das Werk in Dingolfing soll ein Einsparanteil von 37
Millionen Euro entfallen. Gedacht ist an die Einschränkung von
freiwilligen Leistungen wie z.B.
bezahlte Erholungs- und
Brotzeitpausen.
Achja,
wie das „Manager-Magazin“ gerade -also
im abgelaufenen März- zu
berichten weiß, bekommen die Quandts für das Jahr 2014 eine
Dividende von über
800 Millionen Euro. Wie schön!
Vielleicht
sollten wir uns die Geisteshaltung eines Milliarden-Erben wie Sven
Quandt zu eigen machen und endlich mal vergessen, wie ungerecht die
Welt ist. Vor allem wenn es um Vermögen aus Kriegsgeschäften,
Arisierungen und Zwangsarbeit geht. Da müssen wir wirklich mal die
Augen verschliessen und zur Tagesordnung übergehen. „Ordnung“
ist da übrigens ein gutes Stichwort. Es ist doch alles in Ordnung,
wenn die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht,
aber bei den Personalkosten wieder einmal „gespart“ werden soll,
sparen ist ja immer noch ein positiv besetzter Begriff, wenn auch die
Regierenden im Staat und Wirtschaft darauf hinarbeiten mit den
kommenden Strafzinsen uns das Sparen auszutreiben, damit wir nur noch
Konsumidioten sind und bleiben. Als solche können und werden wir
dann auch nicht mehr über andere Zusammenhänge nachdenken und
schreiben.
Labels: Arisierung, BMW, Dividende, Grundeinkommen, Quandt, Zwangsarbeit

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