Sonntag, 3. Mai 2015


>Keine GLOSSE<


Bedingungsloses Grundeinkommen für die Quandts, Druck auf die Personalkosten bei BMW

So stellt sich Lieschen Müller oder Otto Normalverbraucher ein sorgenfreies Leben vor: Millioneneinkommen, weil die lieben Vorfahren so schön vorgesorgt haben. Auch die Quandterben können ein gar nicht garstiges Lied davon singen: Die BMW AG hat die drei Quandt-Erben Johanna Quandt, Stefan Quandt und Susanne Klatten mit der schönen Summe von knapp 731 Millionen Euro Dividendenzahlung erfreut. Auch in den letzten Jahren warfen die BMW-Anteile der Quandts mehr als 2 Milliarden Euro ab. Dafür hat jetzt die BMW AG Pläne vorgestellt, die Personalkosten ab 2015 um jährlich 100 Millionen pro Jahr senken zu wollen. Für das Jahr 2014 ist eine noch mal gesteigerte Dividendenzahlung angekündigt.

Die Familie Quandt und ihre Erben heute leben hauptsächlich von den Früchten des „Lebenswerks“ des Großvaters Günther Quandt (1881-1954) und des Vaters Herbert Quandt (1910-1982).
Der Großvater Quandt stieg als Sohn eines Tuchfabrikanten bereits im 1. Weltkrieg zu einem führenden Industriellen auf. Bereits zu Beginn dieses großen Schlachtens, dessen Beginn sich im letzten Jahr zum hundertsten Male jährte, wurde er zum Leiter der Reichswolle ernannt. Die Quandtsche Firmengruppe wurde zum Hauptlieferanten des kaiserlichen Militärs für Textilien und Leder.
Bis 1922 blieb er im Reichwirtschaftministerium, um sich dann in der Kaliindustrie zu engagieren. Die in der Kriegswirtschaft gewonnenen Kontakte nutzte er geschickt, wodurch es ihm gelang, die Mehrheit an Accumulatoren Fabrik Aktiengesellschaft (AFA, später VARTA AG, mit Sitz in Berlin und Hagen zu erwerben. 1928 konnte er die Berlin-Karlsruher Industriewerke AG -Tarnname der zuvor und dann ab 1936 wieder Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik genannten Rüstungsproduktionsgesellschaft übernehmen. Dieser Betrieb ist der direkte Vorläufer der heutigen KUKA AG.
Unter der NS-Diktatur stieg er 1937 zum „Wehrwirtschaftsführer“ auf. Quandt profitierte auch wie so viele andere Deutsche in allen Schichten von den „Arisierungen“ im Dritten Reich und Quandt konnte daher günstig Konkurrenzunternehmen jüdischer Eigentümer„übernehmen“. Während des 2. Weltkrieges profitierte u.a. die VARTA AG und damit die Familie Quandt vom Einsatz von Zwangsarbeitern.
Die Batterien der VARTA AG fanden in U-Booten und Raketen Verwendung, und selbstverständlich wurden wie schon im ersten Weltkrieg Textilien, Uniformen und Decken an die Militärs geliefert.
Nach Kriegsende floh Quandt aus der exklusiven Villenkolonie in Neu-Babelsberg am Griebnitzsee bei Berlin an den idyllischen Starnberger See in Bayern, auch heute der  bevorzugte Wohnsitz der Reichen und der Schönen, oder derer, die sich dafür halten. Nach der Verhaftung durch die US-Militärbehörden blieb er für 2 Jahre in Haft. Die Briten leiteten aber belastende Dokumente über seine Aktivitäten im Dritten Reich nicht weiter, und so wurde bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen keine Anklage gegen ihn erhoben. Eine Entnazifizierungsspruchkammer in Starnberg stufte ihn nur als Mitläufer ein. (siehe dazu der dt. Wikipedia-Artikel)

Zu den Vorgängen in der NS-Zeit und deren Bewältigung in der Zeit nach 1945, ließ sich einmal ein weiterer Quandt-Erbe, Sven Quandt wie folgt ein:
„Wir haben ein Riesenproblem in Deutschland: Dass wir nie vergessen können. In der Familie … und wir haben über die Themen oft genug gesprochen … Wir finden es aber schade, denn es hilft Deutschland unheimlich wenig weiter. Je mehr wir […] da drüber nachdenken und daran erinnert werden alle, genauso wird man im Ausland daran erinnert. Und wir müssten endlich mal versuchen, das zu vergessen. Es gibt in anderen Ländern ganz ähnliche Dinge, die passiert sind, auf der ganzen Welt. Da redet keiner mehr drüber.“ (siehe dazu der dt. Wikipedia-Artikel)



Da die britischen Militärbehörden der VARTA AG bereits 1946 wieder eine Betriebsgenehmigung erteilten, konnte er seine Tätigkeit in der Industrie rasch fortsetzen. (siehe dazu der dt. Wikipedia-Artikel)
Johanna Quandt, Stefan Quandt und Susanne Klatten halten u.a. 46,7 % an der BMW AG und gehören zu den größten Parteispendern in der Bundesrepublik. Seit dem Jahr 2002 spendeten die Quandts etwa 2 Millionen Euro an die Parteien.

Nach den neuesten Plänen der BMW AG sollen ab dem Jahr 2015 jährlich Personalkosten in Höhe von 100 Millionen Euro eingespart werden. Allein auf das Werk in Dingolfing soll ein Einsparanteil von 37 Millionen Euro entfallen. Gedacht ist an die Einschränkung von freiwilligen Leistungen wie z.B. bezahlte Erholungs- und Brotzeitpausen.

Achja, wie das „Manager-Magazin“ gerade -also im abgelaufenen März- zu berichten weiß, bekommen die Quandts für das Jahr 2014 eine Dividende von über 800 Millionen Euro. Wie schön!

Vielleicht sollten wir uns die Geisteshaltung eines Milliarden-Erben wie Sven Quandt zu eigen machen und endlich mal vergessen, wie ungerecht die Welt ist. Vor allem wenn es um Vermögen aus Kriegsgeschäften, Arisierungen und Zwangsarbeit geht. Da müssen wir wirklich mal die Augen verschliessen und zur Tagesordnung übergehen. „Ordnung“ ist da übrigens ein gutes Stichwort. Es ist doch alles in Ordnung, wenn die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht, aber bei den Personalkosten wieder einmal „gespart“ werden soll, sparen ist ja immer noch ein positiv besetzter Begriff, wenn auch die Regierenden im Staat und Wirtschaft darauf hinarbeiten mit den kommenden Strafzinsen uns das Sparen auszutreiben, damit wir nur noch Konsumidioten sind und bleiben. Als solche können und werden wir dann auch nicht mehr über andere Zusammenhänge nachdenken und schreiben.

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