Bargeld
gehört abgeschafft oder Bargeld lacht bald nicht mehr
Das
meint
jedenfalls der us-amerikanische „Ökonom“ Kenneth
Rogoff von der
US-Elite-Uni Harvard. Dadurch
wäre es leichter, Negativzinsen durchzusetzen und Steuerflüchtige
und Kriminelle wäre das Leben erschwert. Auch
aus der Schweiz kommen jetzt Meldungen
über Planungen, das Bargeld in seiner Nutzbarkeit einzuschränken,
z.B. durch Straf- und Negativzinsen bzw. spezielle „Umtauschkurse“
für Bargeld.
Wenn die
Zentralbanken negative Zinsen erheben
würden, dann ist
es für die Geschäftsbanken Geld kostspielig,
ihre Ersparnisse bei den Zentralbanken zu parken. Im Idealfall
verleihen die Banken ihr Geld dann lieber an Unternehmen und
Privatleute in Form von Krediten. Mit diesen Krediten könnten
Unternehmen investieren und so die Wirtschaft eines Landes wieder in
Schwung bringen. So zumindest die Theorie, die allerdings umstritten
ist.
Rogoff
fügte
als weiteres Argument
hinzu, dass Steuerflucht und Drogenkriminalität besser bekämpft
werden könnten, wenn für derartige Transaktionen kein Bargeld mehr
zur Verfügung stünden. Rogoff war früher Chefvolkswirt des
Internationalen Währungsfonds (IWF) und ist besonders durch seine
Forschungsarbeiten zu Staatsschuldenkrisen bekannt geworden.
Die
großen Zentralbanken der Welt haben die Leitzinsen praktisch auf
null Prozent gesenkt. Dies ist jedoch faktisch die nominale
Untergrenze. Zinsen unter null Prozent können Banken oder
Verbraucher ausweichen, indem sie statt Guthaben Bargeld horten. Gäbe
es diese Alternative nicht mehr, hätten die Zentralbanken noch mehr
Spielraum, um die Zinsen zu drücken. „Papiergeld ist das
entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken“,
sagte Rogoff. „Seine Beseitigung wäre eine sehr einfache und
elegante Lösung für dieses Problem.“
Rogoffs
Angaben
zufolge
habe die amerikanische Zentralbank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise
zeitweise erwogen, Negativzinsen von 4 oder 5 Prozent einzuführen.
Auch der frühere amerikanische Finanzminister und Harvard-Ökonom
Larry Summers fordert reale Negativzinsen, andernfalls werde die
westliche Welt in eine dauerhafte Wirtschaftskrise („Säkulare
Stagnation“) fallen. Auch Summers hat zur technischen Umsetzung die
Abschaffung von Bargeld angeregt.
Neben
der geldpolitischen Zielsetzungen wird noch ein weiteres Argument
angeführt: Eine bessere
Überwachungsmöglichkeit der Gesellschaft und den Kampf gegen
Kriminelle. In Schweden und Norwegen setzen sich Gewerkschaften,
Banken und Handelsketten für eine völlige Abschaffung von Scheinen
und Münzen ein. Nur alte Leute und Bankräuber wollten heute noch
Bargeld, heißt ihr Schlachtruf. Stockholms Polizeipräsident
bezeichnete es als „das Blut in den Adern der Kriminalität“.
Rogoff sagte, dass jüngst bei einem mexikanischen Drogenbaron 250
Millionen Dollar gefunden worden seien.
Bargeldlose
Zahlungsarten wie Kreditkarten sind in Skandinavien und in Amerika
viel verbreiteter als in Deutschland. Hierzulande heben Verbraucher
nach Angaben der Bundesbank im Jahr durchschnittlich 8072 Euro in bar
an Geldautomaten ab. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB)
sind 16 Milliarden Euro-Geldscheine im Wert von fast einer Billion
Euro im Umlauf.
Auch
in Frankreich sollen ab Sommer die Möglichkeiten des Bargeldverkehrs
eingeschränkt werden. Wie die Zeitung „Le
Parisien“ berichtet, sollen folgende Bestimmungen eingeführt
werden:
– Das
Limit für Barzahlungen wird von 3.000 Euro auf 1.000 Euro gesenkt.
– Touristen dürfen nur
noch bis 10.000 Euro in bar bezahlen, bisher waren es 15.000 Euro.– Wenn ein Franzose Geld in eine andere Währung wechseln will, darf er das nur noch bis 1.000 Euro ohne Ausweis tun. Bisher konnten Franzosen für 8.000 Euro Fremdwährungen kaufen.
– Wenn ein Bank-Kunde mehr als 10.000 Euro in einem Monat von seinem Konto abhebt, muss die Bank diese Transaktion der Geldwäsche-Behörde Tracfin melden.
– Die Banken müssen die Behörden über alle Fracht-Transfers innerhalb der EU informieren, die 10.000 Euro übersteigen. Von dieser Regelung sind Schecks, Pre-Paid-Karten und sogar Gold betroffen.
– Auch die Kontrolle über Krypto-Währungen wie Bitcoin soll drastisch verschärft werden.
Begründet
werden solche Maßnahmen mit dem Kampf gegen den „Terror“. Aber
klar doch! Damit kann ja heute alles und jedes begründet begründet
werden. Und auch das jeweilige Gegenteil davon. Das passt ja immer
und überall.
Ähnliche
Maßnahmen werden auch in Griechenland und Schweden vorbereitet.
Wie
sehr die Strafzinsen die Anlieger jetzt schon drücken, zeigte jüngst
das Beispiel der Schweizer
Pensionskassen. Sie haben im großen Stil ihr Geld von der Bank
abgehoben und lagern es mittlerweile in Tresoren in bar, um der
finanziellen Repression zu entgehen.
Gegen
Einschränkungen des Bargeldverkehrs hat
sich die Bundesbank
ausgesprochen, wie
sie in einigen Ländern diskutiert werden. Bundesbank-Vorstand
Carl-Ludwig Thiele hielt beim Bargeld-Symposium im Mai gegen jene,
die Bargeld als „Relikt aus vergangenen Zeiten“ abtun. Bargeld
habe eine Transaktions- und auch eine Wertaufbewahrungsfunktion. Der
frühere Bundesbank- und EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing nannte
Bargeld „geprägte Freiheit.“
Labels: abschaffen, Bargeld, Zentralbank, Zinsen

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