Sonntag, 3. Mai 2015



Bargeld gehört abgeschafft oder Bargeld lacht bald nicht mehr

Das meint jedenfalls der us-amerikanische „Ökonom“ Kenneth Rogoff von der US-Elite-Uni Harvard. Dadurch wäre es leichter, Negativzinsen durchzusetzen und Steuerflüchtige und Kriminelle wäre das Leben erschwert. Auch aus der Schweiz kommen jetzt Meldungen über Planungen, das Bargeld in seiner Nutzbarkeit einzuschränken, z.B. durch Straf- und Negativzinsen bzw. spezielle „Umtauschkurse“ für Bargeld.

Wenn die Zentralbanken negative Zinsen erheben würden, dann ist es für die Geschäftsbanken Geld kostspielig, ihre Ersparnisse bei den Zentralbanken zu parken. Im Idealfall verleihen die Banken ihr Geld dann lieber an Unternehmen und Privatleute in Form von Krediten. Mit diesen Krediten könnten Unternehmen investieren und so die Wirtschaft eines Landes wieder in Schwung bringen. So zumindest die Theorie, die allerdings umstritten ist.
Rogoff fügte als weiteres Argument hinzu, dass Steuerflucht und Drogenkriminalität besser bekämpft werden könnten, wenn für derartige Transaktionen kein Bargeld mehr zur Verfügung stünden. Rogoff war früher Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF) und ist besonders durch seine Forschungsarbeiten zu Staatsschuldenkrisen bekannt geworden.
Die großen Zentralbanken der Welt haben die Leitzinsen praktisch auf null Prozent gesenkt. Dies ist jedoch faktisch die nominale Untergrenze. Zinsen unter null Prozent können Banken oder Verbraucher ausweichen, indem sie statt Guthaben Bargeld horten. Gäbe es diese Alternative nicht mehr, hätten die Zentralbanken noch mehr Spielraum, um die Zinsen zu drücken. „Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken“, sagte Rogoff. „Seine Beseitigung wäre eine sehr einfache und elegante Lösung für dieses Problem.“
Rogoffs Angaben zufolge habe die amerikanische Zentralbank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zeitweise erwogen, Negativzinsen von 4 oder 5 Prozent einzuführen. Auch der frühere amerikanische Finanzminister und Harvard-Ökonom Larry Summers fordert reale Negativzinsen, andernfalls werde die westliche Welt in eine dauerhafte Wirtschaftskrise („Säkulare Stagnation“) fallen. Auch Summers hat zur technischen Umsetzung die Abschaffung von Bargeld angeregt.
Neben der geldpolitischen Zielsetzungen wird noch ein weiteres Argument angeführt: Eine bessere Überwachungsmöglichkeit der Gesellschaft und den Kampf gegen Kriminelle. In Schweden und Norwegen setzen sich Gewerkschaften, Banken und Handelsketten für eine völlige Abschaffung von Scheinen und Münzen ein. Nur alte Leute und Bankräuber wollten heute noch Bargeld, heißt ihr Schlachtruf. Stockholms Polizeipräsident bezeichnete es als „das Blut in den Adern der Kriminalität“. Rogoff sagte, dass jüngst bei einem mexikanischen Drogenbaron 250 Millionen Dollar gefunden worden seien.
Bargeldlose Zahlungsarten wie Kreditkarten sind in Skandinavien und in Amerika viel verbreiteter als in Deutschland. Hierzulande heben Verbraucher nach Angaben der Bundesbank im Jahr durchschnittlich 8072 Euro in bar an Geldautomaten ab. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) sind 16 Milliarden Euro-Geldscheine im Wert von fast einer Billion Euro im Umlauf.
Auch in Frankreich sollen ab Sommer die Möglichkeiten des Bargeldverkehrs eingeschränkt werden. Wie die Zeitung „Le Parisien“ berichtet, sollen folgende Bestimmungen eingeführt werden:


Das Limit für Barzahlungen wird von 3.000 Euro auf 1.000 Euro gesenkt.
Touristen dürfen nur noch bis 10.000 Euro in bar bezahlen, bisher waren es 15.000 Euro.
Wenn ein Franzose Geld in eine andere Währung wechseln will, darf er das nur noch bis 1.000 Euro ohne Ausweis tun. Bisher konnten Franzosen für 8.000 Euro Fremdwährungen kaufen.
Wenn ein Bank-Kunde mehr als 10.000 Euro in einem Monat von seinem Konto abhebt, muss die Bank diese Transaktion der Geldwäsche-Behörde Tracfin melden.
Die Banken müssen die Behörden über alle Fracht-Transfers innerhalb der EU informieren, die 10.000 Euro übersteigen. Von dieser Regelung sind Schecks, Pre-Paid-Karten und sogar Gold betroffen.
Auch die Kontrolle über Krypto-Währungen wie Bitcoin soll drastisch verschärft werden.
Begründet werden solche Maßnahmen mit dem Kampf gegen den „Terror“. Aber klar doch! Damit kann ja heute alles und jedes begründet begründet werden. Und auch das jeweilige Gegenteil davon. Das passt ja immer und überall.
Ähnliche Maßnahmen werden auch in Griechenland und Schweden vorbereitet.
Wie sehr die Strafzinsen die Anlieger jetzt schon drücken, zeigte jüngst das Beispiel der Schweizer Pensionskassen. Sie haben im großen Stil ihr Geld von der Bank abgehoben und lagern es mittlerweile in Tresoren in bar, um der finanziellen Repression zu entgehen.
Gegen Einschränkungen des Bargeldverkehrs hat sich die Bundesbank ausgesprochen, wie sie in einigen Ländern diskutiert werden. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele hielt beim Bargeld-Symposium im Mai gegen jene, die Bargeld als „Relikt aus vergangenen Zeiten“ abtun. Bargeld habe eine Transaktions- und auch eine Wertaufbewahrungsfunktion. Der frühere Bundesbank- und EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing nannte Bargeld „geprägte Freiheit.“

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